⚔️ Der Templerschatz

Die Frage, wie reich (an Geld; der Schatz „esoterischer Geheimnisse“ wird an dieser Stelle nicht untersucht) die Templer zum Zeitpunkt des Prozesses waren und ob und vor allem wohin dieser Reichtum in Sicherheit gebracht worden sein könnte, beschäftigt Schatzsucher und Populärwissenschaftler seit vielen Jahrzehnten.

Piquet (1939) schätzte das jährliche Einkommen des Ordens aus seinen Gütern auf mehr als 200.000 Livres. Hinzu kamen Gewinne aus zollfreiem Im- und Export von Gütern, beispielsweise zwischen europäischen Staaten und dem Nahen Osten, oder zwischen England und Frankreich. Im Vergleich zu dieser enorm scheinenden Summe kostete allein die Instandsetzung der Burg Safed um 1240 über eine Million Goldbesanten! Schätzungen zufolge verschlang die Aufrechterhaltung und Besetzung der Burg pro Jahr ungefähr weitere 40.000 Besanten. Finanzielle Schwierigkeiten der Templer sind zu zahlreichen Gelegenheiten dokumentiert. 1253 ersuchten sie zum Beispiel um päpstliche Erlaubnis, Teile ihrer provenzalischen Güter verkaufen zu dürfen, um Schulden begleichen zu können; und in Deutschland wird die gesamte Komturei Halberstadt verkauft, um der Geldnot Herr zu werden. Ein großer Teil des Reichtums bestand in Ländereien, Kirchengerät, Reliquien und von Nichtordensmitgliedern deponierten Geldern und Wertgegenständen, von denen einige auch bei der Inventarisierung der Güter im Zuge des Prozesses sichergestellt wurden.

1308 behauptete ein vor der päpstlichen Kommission in Poitiers verhörter Servient und Komtur von Namur – Johannes der Katalane- , dass Gerard de Villiers, damals Provinzmeister von Frankreich, sich mit 50 Pferden und sodann 18 Schiffen davongemacht habe und ein gewisser Hugo von Châlons den „Schatz Hugues de Pairauds“ in Sicherheit gebracht habe. Diverse populärwissenschaftliche Autoren haben diese Aussage gern spektakular verkürzt, so dass ein enormer Schatz mit Hilfe von 50 Pferden und 18 Schiffen in Sicherheit gebracht worden sei. Der Zeuge spricht aber eindeutig von zwei verschiedenen Ereignissen: der Flucht von einem Ordensoberen mit Gefährten und der Sicherstellung eines Schatzes durch eine andere Person. Die Suche nach letzterem dürfte müßig sein: 1321 stellten Mitarbeiter des königlichen Rechnungshofes in Paris einen erheblichen Geldbetrag sicher, der von Hugues de Pairaud einem Mann des Vertrauens zur Verwahrung übergeben worden war. Der Schatz enthielt 1189 Goldmünzen und 5010 Silbermünzen. Auch in Aragon, wo die Ordensbrüder den Beginn des Prozesses in Frankreich aus zunächst relativer Sicherheit miterleben konnten und Zeit hatten, Verfügungen zu treffen, deponierten die Templer Bargeld in vermeintlich sicheren Händen – in diesem Fall auf der Johanniterburg Villafamés. Auch in Aragon landeten die Gelder und Wertgegenstände letztlich in den Händen des Königs.

1312 überschrieb der Papst mit der Bulle „Ad Providendam“ den Großteil der Besitzungen und Rechte den Johannitern; König Philipp erhielt 200.000 Livres für die Güter und 60.000 Livres als „Unkostenentschädigung“ für die Haft und Verfahren.

Interessanterweise begann der Boom der Templerschatzsucher erst im 20. Jahrhundert. Heutzutage gehört quasi zu jeder touristisch erschlossenen tatsächlichen oder angeblichen Templerruine auch ein vermisster Schatz, bzw. ein Schatzversteck. Die berühmtesten Vertreter sind die Burg Gisors (allerdings nur wenige Jahre im 12. Jh. in Templerbesitz, zum Zeitpunkt des Prozesses in königlicher Hand), Rennes-le-Château in den Pyrenäen und der Forêt d’Orient in der Champagne. In Gisors wollte 1944 Roger Lhomoy ein unterirdisches Gewölbe mit gewaltigen Schatzkisten entdeckt haben, was anschließend von der Regierung vertuscht worden sei. Lhomoy gab später zu, die Entdeckung frei erfunden zu haben. Dennoch wurde der „gesichtete Schatz“ durch den Journalisten Gerard de Sède und Pierre Plantard – Begründer der „Prioré de Sion“, die sich übrigens nicht vom Jerusalemer Zionsberg herleitete – werbewirksam und lukrativ ausgeschlachtet und gipfelte im Bestseller „Die Templer sind unter uns“. Plantards hierfür beigesteuerte „Dokumente“ sind lange schon als Fälschungen identifiziert.

Der Schatz in Rennes-le-Château verdankt seine Existenz der Phantasie eines Kriminalromanautors und Inhabers des örtlichen Hotels, der mehr Gäste anzulocken versuchte, indem er von einem sagenhaften Schatz erzählte, den im Jahre 1886 angeblich der damalige Pfarrer Saunière in der Ortskirche gefunden habe. Aus dem „Schatz der Blanka von Kastilien“ wurde nach dem Zusammentreffen des Hoteliers mit Pierre Plantard der „Schatz der Templer“, bzw. der Gral. In Wahrheit stammte der – sehr mäßige – Reichtum des Pyrenäenpfarres aus dem illegalen Verkauf kirchlicher Dienstleistungen und Spekulationen.

Der Forêt d’Orient verdankt seinen Ruhm als Schatzversteck seinem Namen und der Verbindung, die der Autor Charpentier in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts zu Wolfram von Eschenbachs Gralsdichtung und den dort erwähnten „templeisen“ zog.

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